Ich möchte als Moderator noch einmal etwas ausführlicher erklären,
warum ich dieses Thema überhaupt aufgemacht habe und was ich damit erreichen möchte.
Natürlich ist mir bewusst, dass es nicht „das beste elektronische Schließsystem“ für jede Schule geben kann. Eine Schule mit 150 Schülern hat völlig andere Anforderungen als ein Schulzentrum mit 1.000 oder 1.500 Schülern. Eine Förderschule kann andere Anforderungen haben als ein Gymnasium, eine Grundschule wieder andere als eine Berufsschule.
Genauso macht es natürlich einen gewaltigen Unterschied, ob ich fünf Außentüren, 50 Klassenräume, Sporthallen, Lehrerbereiche oder vielleicht 50 Toilettentüren in ein System einbinden möchte.
Genau deshalb habe ich die Frage gestellt.
Mich interessiert nicht nur, welcher Hersteller auf seinem Hochglanzprospekt behauptet, dass sein System das achte Weltwunder der Schließtechnik ist.
Mich interessiert vielmehr:
Was funktioniert im echten Schulalltag – und unter welchen Bedingungen?
Wie groß ist eure Schule und wie viele Türen sind eingebunden?
Welche Türen habt ihr elektronisch ausgestattet – Außentüren, Klassenräume, Verwaltungsbereiche, Sporthallen, Toiletten usw.?
Werden die Berechtigungen zentral verwaltet oder muss der Hausmeister tatsächlich mit einem Programmiergerät von Tür zu Tür laufen?
Was passiert bei einem verlorenen Transponder?
Kann ich den zentral sperren oder beginnt anschließend die große Schultournee:
„Heute im Angebot: 87 Türen, drei Etagen, zwei Turnhallen und 14.000 Schritte – präsentiert von Ihrem elektronischen Schließsystem.“
Wie zuverlässig funktionieren die Systeme im täglichen Betrieb?
Wie sieht es mit Batterien, Wartung, Ersatzteilen und Folgekosten aus?
Wie aufwendig ist die Verwaltung bei mehreren hundert oder sogar über 1.000 Schülern und Beschäftigten?
Und eine Frage finde ich bei solchen Erfahrungsberichten besonders wichtig:
Würdet ihr euch heute noch einmal für genau dieses System entscheiden?
Ich habe bei dem Thema aber noch einen
ganz konkreten Anwendungsfall im Hinterkopf: unsere Schüler-WCs.
Denn ich überlege tatsächlich, ob ein elektronisches Schließsystem ein Baustein sein könnte, um den teilweise massiven Vandalismus auf Schüler-WCs zumindest besser in den Griff zu bekommen.
Meine Vorstellung wäre im Idealfall:
Jeder Schüler bekommt einen persönlichen Transponder bzw. ein eindeutig zugeordnetes Zugangsmedium.
Damit erhält er Zugang zu den entsprechenden WC-Anlagen.
Und bevor jetzt jemand glaubt, ich möchte aus der Schule eine Außenstelle der JVA machen:
Nein.
Es geht mir auch ausdrücklich nicht darum, hinterher zu sagen:
„Kevin war um 10:32 Uhr auf Toilette. Um 10:34 Uhr war der Seifenspender kaputt. Fall gelöst – Handschellen raus.“
Ein Zugangsprotokoll ist natürlich
kein Beweis dafür, wer einen Schaden verursacht hat.
Aber nehmen wir einmal ein einfaches Beispiel:
Die WC-Anlage wird um 10:00 Uhr kontrolliert. Alles ist sauber und unbeschädigt.
Um 10:30 Uhr wird festgestellt, dass eine Tür eingetreten, ein Seifenspender abgerissen oder eine Toilette mutwillig beschädigt wurde.
Wenn ich dann feststellen kann, dass in diesem Zeitraum beispielsweise zehn Schüler Zugang hatten, habe ich zumindest einen überschaubaren Personenkreis.
Das erscheint mir jedenfalls etwas erfolgversprechender als die bisher international bewährte kriminaltechnische Methode:
„Wer war das?“
„Keine Ahnung.“
„Hat jemand etwas gesehen?“
„Nö.“
„War das vorher schon kaputt?“
„Ja, bestimmt.“
Ermittlungen eingestellt. Täter vermutlich unbekannt verzogen.
Für mich wäre allerdings ganz wichtig:
Technik alleine wird dieses Problem nicht lösen.
Ein elektronisches Schließsystem müsste Bestandteil eines klaren organisatorischen Konzeptes sein.
Dazu könnten beispielsweise Regeln gehören,
wie viele Schüler gleichzeitig eine WC-Anlage betreten dürfen.
Dazu gehören regelmäßige und dokumentierte Kontrollen.
Und dazu gehört für mich vor allem eine ganz einfache
Meldepflicht:
Ich betrete eine WC-Anlage und stelle einen Schaden oder eine massive Verschmutzung fest? Dann melde ich das.
Das muss möglichst unkompliziert funktionieren.
Damit schützt sich letztendlich auch der Schüler selbst.
Denn wenn jemand einen bereits vorhandenen Schaden sofort meldet, muss er anschließend auch nicht erklären, warum ausgerechnet nach seinem Toilettenbesuch die Kabine aussieht, als hätte dort das
„Abrissunternehmen Klasse 8b – Abteilung Forschung und Entwicklung“
seine praktische Abschlussprüfung abgelegt.
Und bei der ganzen Diskussion sollten wir meiner Meinung nach einen entscheidenden Punkt nicht vergessen:
Jeder Schüler sollte das Recht haben, eine saubere, funktionierende und vernünftige WC-Anlage benutzen zu können.
Das ist für mich eigentlich der wichtigste Punkt an der ganzen Sache.
Die überwiegende Mehrheit unserer Schüler zerstört keine Toiletten.
Diese Schüler gehen dort hin, weil sie – Überraschung –
auf Toilette müssen.
Und trotzdem müssen genau diese Schüler die Konsequenzen tragen, wenn einige wenige meinen, ein Seifenspender sei ein Sportgerät, eine WC-Tür ein geeigneter Sparringspartner und eine Toilettenkabine ein hervorragend ausgestattetes Prüflabor für Materialzerstörung.
Dann werden Toiletten gesperrt, Einrichtungen zurückgebaut oder bestimmte Dinge gar nicht mehr ersetzt.
Und am Ende leiden darunter genau diejenigen Schüler, die überhaupt nichts damit zu tun haben.
Das kann für mich auf Dauer auch keine Lösung sein.
Deshalb suche ich nicht einfach nur nach einem elektronischen Schloss.
Ich suche nach einem
Gesamtkonzept, bei dem Technik einen Teil der Lösung darstellen könnte:
Elektronischer Zugang + persönliche Transponder + klare Regeln + begrenzte Personenzahl + regelmäßige Kontrollen + einfache Meldepflicht + nachvollziehbare Verantwortlichkeiten.
Und ausdrücklich:
Keine Kameras auf Toiletten. Keine Totalüberwachung. Kein „Big Brother auf dem Schulklo“.
Es geht darum, eine vernünftige Balance zu finden.
Deshalb interessieren mich eure praktischen Erfahrungen umso mehr.
Welche Systeme setzt ihr ein?
Bei welcher Schulgröße?
Wie viele Türen?
Online oder offline?
Wie funktioniert die Programmierung?
Was passiert bei Verlust eines Transponders?
Kann ich Berechtigungen zentral vergeben und entziehen?
Kann ein Transponder beispielsweise automatisch nach bestimmten Zeiten seine Berechtigung verlieren oder aktualisieren?
Welche Möglichkeiten zur Protokollierung gibt es?
Wie groß ist der Verwaltungsaufwand?
Wie häufig müssen Batterien gewechselt werden?
Wie hoch sind Wartungs- und Folgekosten?
Und gibt es vielleicht sogar Schulen, die bereits
elektronische Zutrittslösungen speziell für Schüler-WCs einsetzen?
Wenn ja, würde mich besonders interessieren:
Hat es tatsächlich etwas gebracht?
Denn genau darum geht es mir bei diesem Thema.
Nicht darum, herauszufinden, welches elektronische Schließsystem theoretisch das „beste“ ist.
Sondern darum,
welches System für welchen Einsatzzweck im echten Schulalltag funktioniert.
Und wenn wir mit einem vernünftigen Konzept irgendwann erreichen, dass 500, 800 oder 1.000 vernünftige Schüler wieder selbstverständlich eine saubere und funktionierende Toilette benutzen können, weil fünf andere nicht mehr völlig unbeobachtet ausprobieren können, wie viele Newton eine WC-Tür eigentlich aushält …
… dann wäre meiner Meinung nach schon verdammt viel gewonnen.
