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Wenn der Schnee kommt und der Chef plötzlich auch. Winterdienst für Hausmeister zwischen Anspruch und Wirklichkeit.

Jörg

Jörg
Teammitglied
Moderator
Hallo zusammen, es wird kälter, die Vögel packen die Koffer und wir würden am liebsten hinterher.

Aber bis zur Rente müssen wir wohl noch im Winter ran. Und damit kommt zuverlässig der Winterdienst.

Die Verwaltung erinnert sich plötzlich, dass sie auch nen Hausmeister haben und wenn es glatt wird, heißt es nur 'du kommst morgen früh um fünf, oder?'

Und da steht doch noch dieser Streuwagen hinter der Turnhalle, was soll schon schiefgehen? Naja, eine ganze Menge. Erstmal muss man sich frage, ob Winterdienst überhaupt zur Tätigkeit gehört. Arbeitsvertrag, Tätigkeitsbeschreibung und Tarifvertrag lesen und nicht erst beim ersten Frost morgens um 5. Steht nichts drin, heißt das nicht automatisch, mach ich nicht. Aber der Chef kann auch nicht einfach alles anordnen, nur weil es um 5 Uhr morgens ist.


Also. Kann sein, dass um 5 Uhr morgens angefangen werden muss, aber dann ist eben um 5 Uhr Arbeitsbeginn. Nicht um 7. Arbeitszeitgesetz gilt auch dann. Und 11 Stunden Ruhezeit gilt auch dann. Geteilter Dienst, morgens um 5 bis 9. Dann heißt es, geh mal nach Hause, komm um 15 Uhr wieder.

Klingt für den Dienstplan super, für dein Leben eher weniger. Das muss arbeits- und tarifrechtlich zulässig geregelt sein. Einfach zu sagen, halt dich mal bereit, ist kein Arbeitszeitmodell. Rufbereitschaft ist im TVöD geregelt und wird auch vergütet. Genauso wie Einsätze dann und Überstunden und so weiter. Wenn der Arbeitgeber also Zuverlässigkeit möchte, dann bitte vorher Modell und Vergütung klären. Technik: Auch ein absoluter Klassiker, neue Schneefräse, neue Kehrmaschine wird abgestellt und es heißt 'Schlüssel übergeben, der Rest erklärt sich von selbst.'

Leider nein. Betriebssicherheitsverordnung ist da eindeutig. Unterweisung vor der ersten Nutzung, danach regelmäßig, mindestens jährlich und dokumentiert.

Keine Ahnung zu haben, ist nicht dein persönliches Versagen, sondern Arbeitgebersache. Und zur Ausrüstung, nicht jede Schule braucht einen Unimog, aber auch nicht jeder Hausmeister muss 4000 Quadratmeter mit einer 30 Jahre alten Schneeschaufel freischieben. Es gibt handgeführte Geräte, motorisierte Streuer, Kehrmaschinen mit Schild oder Fräse, Kompakt-Aufsitzgeräte.

Wenn Fläche und Erwartung groß sind, kann man auch sagen, gib mir bitte auch was, mit dem das realistisch machbar ist. PSA, warme wetterfeste Klamotten, rutschhemmende Sicherheitsschuhe, geeignete Handschuhe, bei Verkehrsbereichen Warnkleidung, beim Umgang mit Salz oder Sole an die Haut denken. Und noch ein Tipp, den viele vergessen, Licht. Um 5 Uhr ist es dunkel. Eine ordentliche Stirnlampe ist mehr wert, als man denkt. Alleinarbeit, morgens um 5, du bist alleine auf dem Gelände und rutschst aus, keiner merkt, dass du da liegst? Die DGUV weist bei Schulhausmeistern ausdrücklich auf die Gefährdung durch Alleinarbeit hin. Lösung muss vom Arbeitgeber kommen.

Das kann eine An- und Abmeldung sein. Ich bin gestartet und ich bin wieder fertig, oder eben technische Lösungen bis hin zu Personen-Notsignal.


Lass dir einen Räum- und Streuplan geben. Der Arbeitgeber sollte festlegen, welche Flächen in welcher Priorität zu bearbeiten sind. Sonst heißt es später, 'warum denn ausgerechnet dieser Weg?' Dokumentation, ganz wichtig. Schreib auf, wann du angefangen hast, wann du aufgehört hast, Wetter, Flächen, Besonderheiten, mach Fotos. Sechs Monate später heißt es nicht, war der Schnee schön, sondern, kannst du nachweisen, dass du da warst? Also.


Idee fürs Forum. Ich baue selbst mit der No-Code-Plattform SmapOne. Damit kann man sich den Winterdienst vereinfachen mit Dokumentation.
Man nimmt den Einsatz auf, Beginn, Flächen, Fotos vorher-nachher, Abschlusszeit und hat am Ende einen wasserdichten Bericht. Den man, wenn nötig, auch vorzeigen kann. Wenn Interesse besteht, könnte man mal eine Smap speziell für Schulhausmeister bauen.

Dokumentation Beispiel mit SmapOne:
Start mit Zeit Stempel automatisch, Objekt aus einer Liste, Witterung auswählen, Fläche anklicken, Maßnahme wählen. Mittel und Gerät aus einer Dropdown-Liste, Foto dazu, fertig. Das ist das Wichtigste und rechtssicher dokumentiert. GPS würde ich nicht zur Dauerüberwachung nutzen, höchstens punktuell beim Start als Anwesenheitsnachweis, wenn es datenschutzrechtlich passt.
Besser noch, QR-Code am Gebäude als Check-in. Wichtig ist auch, dass Kontrollgänge ohne Maßnahme dokumentiert werden können. Also kontrolliert, trocken, keine Maßnahme erforderlich.

Darf ich den Winterdienst ablehnen? Pauschal lässt sich das nicht beantworten. Aber fehlende klare Vereinbarung heißt nicht automatisch, ich sage einfach nein.

Aber ohne Unterweisung an Maschinen zu gehen, ist auch keine Option.

Mein Rat, nicht trotzig sagen, mache ich nicht, sondern schriftlich um Klärung bitten. Aufgaben, Arbeitszeit, Vergütung, Flächen, Unterweisung, PSA, Absicherung – dann ist der Ball da, wo er hingehört. Und wenn ihr schon Winterdienst übernehmen sollt, dann verkauft euch nicht unter Wert. Gutes Material, gute Arbeitskleidung, Rufbereitschaft statt ungeklärter Dauererreichbarkeit, planbare Dienstpläne, ordentliche Dokumentation.


Das ist keine Bitte, um Luxus, sondern schlicht vernünftige Bedingungen.
 
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Bei uns gab es irgendwann mal nur noch Winterdienstfirmen weil uns die Überstunden nicht bezahlt worden sind. Früh um 5 anfangen und bis 22Uhr die öffentliche Turnhalle streuen geht nun mal nicht. Außerdem Ganztagsschule von 6-18 Uhr. Ich war da früh über die externen Firmen.
 
Hallo matti,
Ja meist ist das auch so, gerade bei großen Schulen wo viel zu räumen ist, kommen da einige Stunden zusammen - Wenn man das NICHT auf den Rücken der Schulhausmeister machen will oder kann. Das kommen schnell Fremdfirmen zum Einsatz - DANKE für Deine Rückmeldung!
 
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