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Trinkwasserverordnung, VDI 6023 & der tägliche Amtshorror: Wie wir den Keimen (und dem Gesundheitsamt) ein Schnippchen schlagen

Jörg

Jörg
Teammitglied
Moderator
Moin Kollegen,

mal ganz ehrlich: Wer von uns liebt es nicht, nach sechs Wochen Sommerferien in die Schule zurückzukehren, erst mal den halben Liter abgestandene, lauwarme Brühe aus den Hähnen zu jagen und sich zu fragen, ob man damit wohl direkt das örtliche Biotop wiederbelebt hat?

Das Thema Trinkwasserhygiene ist ja spätestens seit dem endgültigen Bleileitungsverbot (seit Januar 2026 ist da endgültig Schicht im Schacht) kein laues Lüftchen mehr. Und da das Gesundheitsamt in Sachen Trinkwasserverordnung (TrinkwV) und der heiligen VDI 6023 (Blatt 1: „Hygiene in Trinkwasser-Installationen“) mittlerweile humorfreier unterwegs ist als ein Kontrolleur beim Zoll, dachte ich, ich fasse mal zusammen, worauf wir achten müssen – und vor allem, wie wir den Papierkram überleben, ohne dass uns der Hut hochgeht.

1. Die Realität in der Schule: Sechs Wochen Urlaub für Legionellen & Co.​

Während wir uns in den Ferien erholt haben, hatten Bakterien im Rohrsystem die Party ihres Lebens. Das Hauptproblem an Schulen: Leerstand, schlechte Durchströmung und Temperaturen, bei denen sich Legionellen im Warmwasser bei unter 55 °C oder im Kaltwasser bei über 25 °C richtig wohlfühlen.

  • Die Vorschrift (VDI 6023): Ein „bestimmungsgemäßer Betrieb“ verlangt, dass jede Entnahmestelle im Gebäude mindestens alle 7 Tage komplett gespült wird. Ja, richtig gelesen: Jede. Auch das Waschbecken im letzten Putzmittelraum oder die Dusche in der Sporthalle, die im Sommer von keinem einzigen Schüler betreten wird.
  • Der Praxis-Sarkasmus: Klar, als Hausmeister hat man ja sonst nichts zu tun, als in den Ferien jeden Dienstag stundenlang mit der Stoppuhr bewaffnet durch die Flure zu rennen und Hähne aufzudrehen. Wer das manuell macht, braucht im Großkomplex bald keinen Kaffee mehr, sondern eine Sehnenscheidenentzündung.

2. Wo steht das geschrieben? (Für die Diskussion mit dem Schulträger)​

Falls der Schulträger mal wieder spart oder meint, das sei alles „Panikmache“ – hier sind die schlagenden Argumente mit Fundstelle:

  • Trinkwasserverordnung (TrinkwV) § 14 & § 17: Regelt die Betreiberpflichten, die Einhaltung der mikrobiologischen Grenzwerte (inkl. Legionellen-Maßnahmenwert von 100 KBE/100 ml) und das absolute Verbot von Bleileitungen im Bestand.
  • VDI 6023 Blatt 1: Die anerkannte Regel der Technik für Planung, Betrieb und Instandhaltung. Hier steht drin, dass der Betreiber (und damit wir als seine verlängerten Arme vor Ort) für den hygienischen einwandfreien Zustand geradezustehen hat.
  • DVGW W 551: Der Klassiker für Großanlagen zur Trinkwassererwärmung (Speichervolumen > 400 Liter oder > 3 Liter im Rohrleitungsinhalt). Legionellenprüfung alle 3 Jahre ist Pflicht – bei Überschreitung des Maßnahmenwerts heißt es sofort: Amt informieren und Risikoabschätzung (nach VDI 6023) einleiten.

3. Der Zettelkrieg: Dokumentation oder „Haste nichts in der Hand, bist du dran“​

Im Ernstfall – sprich: wenn das Gesundheitsamt vor der Tür steht und Proben im roten Bereich sind – interessiert niemanden, ob wir den Job super gemacht haben. Die wollen Papier oder Bytes sehen. Das Betriebstagebuch ist unsere Lebensversicherung.

Wenn da kein lückenloser Nachweis über Spülungen, Filterrückspülungen (alle 2 Monate!), Temperaturmessungen und Instandsetzungen steht, sind wir die Ersten an der Kette, die den Ärger abkriegen.

Wie regelt ihr das bei Euch? Unser digitaler Ausweg: SmapOne​

Ich sags euch ganz ehrlich: Auf den klassischen Zettel-Wust im Kellerordner hatte ich keinen Bock mehr. Wer will schon mit klatschnassen Händen auf nem Klemmbrett rumkritzeln?

Wir nutzen dafür mittlerweile SmapOne – das ist für solche mobilen Erfassungen absolut genial.

  • Wie wir das machen: Ich habe mir eine kleine, digitale App-Maske aufs Diensthandy gebaut. Wenn ich meine Spülrunde mache (oder die Ferien-Spülung ansteht), klicke ich das fix digital durch: Entnahmestelle auswählen, Wassertemperatur (Kalt/Warm) eintragen, Haken dran, fertig.
  • Der Vorteil: Das Ding speichert das datum- und uhrzeitgenau, zieht sich den Standort und schmeißt direkt ein sauberes PDF für das digitale Betriebstagebuch raus. Kein Suchen mehr nach Zetteln, und wenn das Amt kommt, zeige ich ihnen den Verlauf auf dem Tablet. Da glänzen selbst die Kontrolleure.
Mich würde mal brennend interessieren: Wie löst ihr das Thema Spülungen während der großen Ferien an euren Schulen? Habt ihr automatische Spülarmaturen verbaut (von denen die Hälfte nach drei Jahren verkalkt ist), schickt ihr die Putzkolonne los, oder macht ihr das althergebracht mit dem Universalschlüssel und viel Frust? Haut mal eure Erfahrungen in die Tasten!
 
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