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Sturz, Bruch und Bänderriss – Wie man sich mit Leitern gekonnt in die Frührente befördert"

Jörg

Jörg
Teammitglied
Moderator
Der Unternehmer hat hier laut Betriebssicherheitsverordnung und Technischen Regeln (TRBS 2121 Teil 2) eine Fürsorgepflicht, die sich liest wie ein Handbuch für Kamikaze-Piloten. Aber schauen wir uns an, was die trockene Norm (und das nackte Grauen im Schulalltag) wirklich von uns verlangt.

1. Die zwei Leiterklassen: Weil das private wackelige Plastikding im Betrieb nichts verloren hat​

Seit dem 01.01.2018 gibt es eine heilige Trennung: Leiterklasse für den beruflichen Bereich versus nicht-beruflicher (privater) Bereich.
  • Die Realität: Natürlich schleppt Kollege Kalle morgens seine ausgeleierte, im Baumarkt im Angebot geschossene 15-Euro-Aluleiter von zu Hause an, weil die Schulleitung für den offiziellen Etat lieber in den zwölften Digital-Beamer investiert hat, der mangels WLAN ohnehin nur als Staubfänger dient. Ob die Leiter im Betrieb zulässig ist? Scheißegal, Hauptsache man kommt an die defekte Deckenlampe im Treppenhaus.
Vor der Auswahl durch den Unternehmer steht die Gefährdungsbeurteilung. Dabei spielen Faktoren wie Arbeitsaufgabe, max. Traglast und die Beschaffenheit der Standfläche eine Rolle. Wenn ihr eine Leiter im nassen, mit Seifenlauge gefluteten Eingangsbereich aufstellt, hilft euch auch die beste Gefährdungsbeurteilung nichts – da landet ihr schneller auf dem Steißbein, als ihr „Berufsgenossenschaft“ rufen könnt.

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2. Die Bauarten-Parade: Von der Teleskop-Falle bis zur Glasreiniger-Spezialwaffe​

Teleskopleitern: Die ausfahrbare Fingerquetsche​

  • Die Theorie: Super praktisch, klein, passt in jeden Kombi. Holme laufen ineinander wie eine Radioantenne.
  • Die Praxis: Nach drei Wochen Hausmeister-Einsatz im feuchten Keller oder im verdreckten Heizungsraum setzen sich Sand und Staub in die Dichtlippen. Ergebnis: Die Verriegelung rastet nicht richtig ein. Kollege Meier steigt hoch, Sprosse 3 gibt nach, und zack – hat man einen akuten Bandscheibenvorfall. Bonus: Wer unaufmerksam ist, klemmt sich beim Zusammenschieben genüsslich sämtliche Fingerkuppen ein. Für den rauen Schulalltag (Baustelle/Schmutz) absolut ungeeignet, wird aber gekauft, weil sie so schön ins Regal passt.

Stehleitern mit Holmverlängerungen (Die Treppenhaus-Akrobatik)​

  • Die Theorie: Perfekt für enge Treppenhäuser, um Höhenunterschiede auszugleichen. Mindestens eine Holmverlängerung muss eingeschoben bleiben, damit die Leiter nicht „künstlich“ verlängert wird.
  • Die Praxis: Die Verlängerung klemmt, wird mit WD-40 geflutet (was den Halt noch besser macht) und am Ende schief arretiert. Man steht im steilen Treppenhaus des Altbaus in luftiger Höhe, die Leiter wankt im Takt des Pausengangs, während unten gerade die 8. Klasse schreiend vorbeirennt. Adrenalin pur, ganz ohne Freizeitpark.

Die gute alte Holleiter vs. Alu und Kunststoff​

  • Holz: Super für den rauen Betrieb, unempfindlich gegen Funken, aber wehe, sie steht drei Jahre im nassen Keller – dann fault die Holm-Stufen-Verbindung heimlich weg.
  • Aluminium: Leicht, aber wehe, es fällt dem Kollegen Schmidt ein schwerer Vorschlaghammer drauf. Eine schwere Kerbe, und die Stabilität ist dahin.
  • Kunststoff (GFK): Die teure Luxusvariante für Arbeiten an elektrischen Anlagen. Wer hier spart und mit Alu an der Hauptverteilung hantiert, riskiert gegrillte Hausmeister. (Aber hey, das spart den Gang zur Rentenkasse).

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3. Die Todsünden bei der Leitergröße und dem Aufstieg: "Ach, die oberste Stufe geht noch!"​

Jeder weiß es, jeder macht es:
  • Bei Anlegeleitern dürfen die drei obersten Sprossen nicht bestiegen werden.
  • Bei Stehleitern sind es die obersten beiden Stufen.
  • Die Realität: Um die verdammte Halogenlampe in 4 Meter Höhe zu wechseln, reicht die Leiter natürlich knapp nicht. Was macht der Hausmeister? Er stellt sich auf die allerletzte Stufe, umklammert mit den Oberschenkeln den Holm, wackelt wie Läusekamm auf Hundekopf und betet zu allen Brandschutzheiligen, dass die Quertraverse hält.
Und wenn eine Anlegeleiter an eine höher gelegene Fläche führt? Sie muss die Anlegestelle um mindestens 1 Meter überragen, damit man sich festhalten kann. Wie oft sieht man Leitern, die exakt bündig mit der Kante abschließen, sodass der Aufstieg zur echten Zirkenumzug-Nummer wird? Eben.

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Schlecht vs. Gut gelaufen im Schulalltag​

  • Schlecht gelaufen: Im ganzen Hauptgebäude gibt es genau eine intakte Leiter, die im tiefsten Keller unter drei Schichten Altreifen und defekten Schülertischen vergraben ist. Folge: Die Lehrkräfte holen sich kurzerhand ungesicherte Stühle, Tische oder stapeln Bierkisten aufeinander, um Plakate aufzuhängen. Der erste offene Oberschenkelhalsbruch lässt grüßen.
  • Gut gelaufen: Der Schulträger hat für jeden Gebäudeteil feste, normgerechte Aufstiege (z. B. fahrbare Podestleitern mit festem Geländer) beschafft. Die Leitern haben eine Inventarnummer, werden jährlich geprüft und stehen dort, wo sie gebraucht werden. Niemand muss improvisieren.

Fazit & Eure Meinung​

Eine Leiter ist kein Klettergerüst für Zirkusartisten, sondern ein Arbeitsmittel nach Betriebssicherheitsverordnung!
 
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