Aktuelles
Schulhausmeisterforum
  • Hallo, wir sind dabei das alte Forum wieder herzustellen, es geht wieder weiter!

Schachtdeckelheber – Wenn die ScheiXe wieder mal bis zum Rand steht

Jörg

Jörg
Teammitglied
Moderator
Moin zusammen,

kennt ihr diesen herrlichen Moment am frühen Morgen? Der Kaffee schmeckt noch, die Vögel zwitschern, die Sonne geht auf – und zack, stürmt die erste Lehrkraft in die Haustechnik und verkündet mit hysterischer Kehle: „Im Lehrer-WC drückt es die braune Masse schon aus der Muschel!“

Willkommen im Alltag. Großalarm. Wenn der hauseigene Abwasserkanal beschließt, in den Ruhestand zu gehen und die Toilettenanlagen auf „Rückwärtsgang“ schalten, schlägt die Stunde der Wahrheit.

Der Blick in den Abgrund: Detektivarbeit im Duft von Gülle​

Ruhe bewahren? Klar, solange man nicht gerade atmet. Bevor wir panisch den Hörer greifen und den Notdienst anbrüllen, müssen wir Detektiv spielen:
  • Welche WCs sind betroffen? Ist es nur eine verstopfte Schüssel im Chemiebau (weil mal wieder ein halbes Periodensystem heruntergespült wurde) oder läuft im Keller die Sintflut?
  • Der Gang nach draußen: Wenn innen gar nichts mehr geht, hilft kein Zureden. Dann müssen wir raus auf den Schulhof, in den Grünstreifen oder auf die Straße, um den Revisionsschacht zu öffnen und nachzusehen, ob da draußen überhaupt noch irgendwas ankommt oder ob der Hauptstrang dicht ist.
Wer hier genau weiß, wo das Problem liegt, kann direkt den passenden Dienstleister mit dem großen Spül- und Absaugwagen anfordern – und vor allem der Schulleitung eine klare Info geben, bevor das Erdgeschoss zur Biosphäre wird.

Ist das eigentlich unser Job?​

Kommen wir zu der Frage, die sich wahrscheinlich jeder von uns schon mal im tiefsten Frust gestellt hat, während ihm der kalte Schweiß auf der Stirn steht: Ist das überhaupt eine richtige Schulhausmeister-Aufgabe?

Ganz ehrlich? Wer in den offiziellen Arbeitsplatzbeschreibungen oder Tarifverträgen nachschaut, wird feststellen: Das ist meistens nirgendwo haarklein festgelegt. Im Sinne von: „Öffnen von Fäkalienkanälen bei Rückstau gehört zum täglichen Kerngeschäft“.

Aber seien wir mal Realisten. Wenn die Brühe im Keller hochsteigt und die Schulleitung hyperventiliert, stehen die am Ende nicht beim Amt oder bei der Stadtverwaltung auf der Matte, sondern bei uns. Wir sind die Ersten vor Ort, wir haben den Schlüsselbund und wir wissen, wo der Deckel liegt. Also machen wir es – weil wir wollen, dass der Laden läuft (und weil sonst wirklich alles absäuft).

1790148143118.png​

Ohne Hebel keine Chance – oder wie man sich den Rücken ruiniert​

Jetzt stehen wir also auf dem Schulhof, bewaffnet mit viel Optimismus und einem Schachtdeckel, der seit der Erbauung der Schule im Jahr 1974 festgerostet und mit einer dicken Schicht aus Erde und Kaugummis der letzten drei Schülergenerationen versiegelt ist.
Wer jetzt auf die glorreiche Idee kommt, mit der bloßen Hand oder einer rohen Brechstange anzusetzen, darf direkt den Orthopäden des Vertrauens anrufen. Wir wollen den Kanal freimachen und nicht die eigene Bandscheibe auf der Intensivstation anmelden.

Hier braucht es anständiges Equipment.
Wer einen Deckel rückenschonend und damit BG-konform heben will, guckt am besten mal bei Profis vorbei – zum Beispiel auf schullergmbh.de. Dort findet man TÜV- und BG-zugelassene Gerätschaften, die nicht nur den Rücken retten, sondern auch verhindern, dass der Deckel auf dem Weg nach oben unkontrolliert den Zeh zertrümmert.

Wichtig: Solche Hebewerkzeuge müssen natürlich regelmäßig geprüft werden (UVV-Prüfung). Wenn das Ding reißt, während man mit vollem Körpereinsatz an einem 80-Kilo-Gussdeckel zieht, möchte ich den Gesichtsausdruck nicht sehen.

Keine Heldennummern: Richtig absichern!​

Ich muss an dieser Stelle noch mal einen Punkt drastisch nachschärfen, nachdem ich neulich erst wieder fast Tränen lachen musste, als ich die Realität auf dem Schulhof gesehen habe:
Vergesst das verflixte Flatterband. Ein Stück rot-weißes Plastikband hält heutzutage keinen hungrigen Elftklässler und erst recht keine Horde Fünftklässler auf, die im Vollspurt über den Schulhof brettern. Für die ist das eine Startlinie oder ein Deko-Element. Wer einen Revisionsschacht auf dem Schulhof öffnet, hinter dem sich ein bodenloses, geduftetes Biotop auftut, stellt da keine Flatterleine hin.
1790148422831.png1790148746395.png
Passende Absperrung - natürlich wenn direkt mit passenden Fußplatten


Da gehört eine richtige Baustellenabsicherung mit Schrankengitter (Bake) und Warnleuchte hin, damit jeder direkt kapiert: Hier droht der Sturz in die Hölle. Niemand will die Verantwortung tragen, wenn da gleich einer kopfüber im Abflusskanal landet.

Fäkalien, Bazillen und der dringend notwendige Eigenschutz​

Kommen wir zu meinem Lieblingsthema: Biologische Kampfstoffe.
Wenn der Schacht offen ist, blicken wir direkt in das Herz der Dunkelheit. Fäkalwasser ist keine Wellness-Brühe. Da schwimmt alles drin, was die menschliche Verdauung hergibt, verfeinert mit Viren, Bakterien und Keimen, die selbst im Horrorfilm keine Chance hätten.
Wenn ihr euch also entscheidet, diese Arbeit zu machen, gilt absolut: Keine Kompromisse beim Eigenschutz!
  1. Persönliche Schutzausrüstung (PSA): Ohne wasserdichte, chemikalienbeständige Handschuhe, feste Sicherheitsschuhe und eine Schutzbrille (gegen spritzende Überraschungen beim Öffnen) geht gar nichts. Wer sich ohne Handschuhe in die Nähe von Fäkalien begibt, verliert jeglichen Anspruch auf den Darwin-Award, weil das einfach nur grob fahrlässig ist.
  2. Der dringend notwendige Impfschutz: Ich kann es nicht oft genug sagen – prüft eure Impfpässe. Wer im Schachtbereich hantiert, braucht zwingend den Schutz gegen Tetanus (wenn man mal an einer rostigen Kante hängen bleibt) sowie Hepatitis A und B und Polio (wegen der exzellenten Keim- und Virensuppe da unten). Ratten urinieren nun mal gerne in Kanäle, also ist auch Leptospirose ein Thema. Das ist kein Spaß, das ist Körperverletzung am eigenen Immunsystem.
Also: Passt auf euch auf, lasst euch impfen, sichert das Loch mit echten Baken ab, schont eure Knochen mit vernünftigem Gerät und wenn die ScheiXe mal wieder bis zum Rand steht – wisst ihr wenigstens, wo der Heber liegt.

In diesem Sinne: Frohes Schaffen und immer eine Handbreit Platz im Fallrohr!
 
Zuletzt bearbeitet:
Zurück
Oben